Erster erfolgreicher Testlauf: Klima-Planspiel mit der 8. Klasse der Franziska-Höll-Schule
Naturpark-Schule entwickelt ein Klima-Planspiel.
Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufe 8 in der Franziska-Höll-Schule, haben im Dezemeber das gemeinsam mit dem Naturpark Schwarzwald Mitte/Nord entwickelte Klima-Planspiel getestet. Dieser erste Durchlauf in der zertifizierten Naturpark-Schule markiert einen wichtigen Meilenstein in einem mehrwöchigen Entwicklungsprozess, in dem Jugendliche aktiv an der Konzeption und Ausgestaltung des Spiels beteiligt waren.
Planspiele als Methode der Umweltbildung
Planspiele gelten als wirksames Format, um komplexe Inhalte anschaulich zu vermitteln – insbesondere, wenn es um Klimawandel, Nachhaltigkeit und Interessenskonflikte geht. Durch Rollenwechsel und Perspektivübernahme können Jugendliche Zusammenhänge erkennen, die sonst oft nur in Medienberichten erscheinen. Das Klima-Planspiel wurde speziell vom Naturpark Schwarzwald Mitte/Nord konzipiert und mit Hilfe der Schülerinnen und Schüler der Franziska-Höll-Schule ausgearbeitet. Es richtet sich künftig an Schulklassen ab Jahrgangsstufe 7 sowie an Jugendgruppen im Alter von 15 bis 17 Jahren.
Zentrales Ziel ist es, klimarelevante Fragen im Naturpark-Kontext greifbar zu machen und einen lebensweltbezogenen Zugang zu nachhaltigem Handeln zu ermöglichen.
Das Szenario: Ein Erbe mit Folgen
Im Mittelpunkt des Planspiels steht eine Naturpark-Gemeinde, die ein großes Gelände mit Wald, Feldern und einem Moor erbt. Das Erbe ist an eine entscheidende Bedingung geknüpft: Die Gemeinde muss ein Konzept vorlegen, das sowohl klimaoptimal als auch naturpark-konform ist.
Rund um dieses Szenario treten verschiedene Interessengruppen auf – darunter Naturschutzverbände, Tourismusvertretungen, private Investorinnen, Energieunternehmen, Wohnungsbaugesellschaften und Jugendverbände. Eine separate Gruppe übernimmt die Rolle eines Anwältinnen-Teams, das die Vorschläge anhand eines Kriterienkatalogs bewertet. Ereigniskarten bringen zusätzliche Herausforderungen ins Spiel und erfordern flexible Lösungsansätze. Alle Ideen werden auf einem großen Modell des Geländes visualisiert.
Die Entwicklung des Planspiels
Zwischen Oktober und Dezember fanden sechs Projekttage statt, an denen die 8. Klasse zentrale Elemente des Planspiels selbst entwickelte. Die Inhalte entstanden dabei in einer Mischung aus Recherche, Gruppenarbeit und kreativen Methoden.
Termin 1: Grundlagen & Einstieg
Einführung in Naturpark, Planspiel-Methodik und Grundlagen des Klimawandels. Eine kurze Zeitreise ins Jahr 2040 bot einen Ausblick auf mögliche Veränderungen im Schwarzwald. Kreative Übungen erleichterten den Einstieg.
Termin 2: Figuren & Handlung
Sammeln erster Ideen für Rollen, Stakeholder und Konfliktlinien. Die Jugendlichen skizzierten Eckpunkte für die spätere Rahmenhandlung.
Termine 2-5: Ausgestaltung
In Teams wurden folgende Elemente ausgearbeitet:
- Rahmenhandlung und Drehbuch
- Steckbriefe zu Interessengruppen
- Ereigniskarten
- Regeln und Spielablauf
- Gestaltung des benötigten Kreativmaterials
Die Ergebnisse wurden regelmäßig zusammengeführt und weiterentwickelt.
Termin 6: Testdurchlauf
Der abschließende Projekttag diente dem vollständigen Durchspielen des Planspiels. Nach dem Aufbau des Spielfelds übernahmen die Jugendlichen ihre Rollen und spielten ein komplettes Szenario durch. Ein erstes Feedback der Klasse sowie Beobachtungen der Lehrkraft flossen direkt in die weitere Optimierung des Spiels ein.
Wissenschaftliche Begleitung durch die PH Karlsruhe
Das Projekt wird durch eine Masterarbeit im Studiengang „Lehramt im Fach Biologie“ an der Pädagogischen Hochschule Karlsruhe begleitet (Studierende: Linda Huber). Die Masterarbeit analysiert den Entwicklungsprozess, die Beteiligungsmöglichkeiten von Jugendlichen und die Chancen der Methode. Vorbereitende Interviews mit den Schülerinnen und Schülern lieferten wichtige Erkenntnisse zu ihrem Vorwissen, ihren Medienerfahrungen und ihren Erwartungen an das Projekt.
Ausblick & künftiger Einsatz
Nach Abschluss der Erprobungsphase entstehen derzeit Materialien, Steckbriefe und Anleitungen, die später frei zugänglich sein sollen. Ziel ist es, das Planspiel so aufzubereiten, dass es künftig von Lehrkräften und pädagogischen Fachkräften selbstständig durchgeführt werden kann. Idealerweise ergänzt durch schuleigene Tablets oder private Endgeräte.
Der erfolgreiche Testlauf mit der Franziska-Höll-Schule hat gezeigt, dass das Konzept sowohl spielerisch motiviert als auch fachlich anspruchsvoll ist. Die Rückmeldungen der Jugendlichen bieten eine solide Grundlage für die weitere Weiterentwicklung und die bevorstehende Veröffentlichung des Planspiels.
Text: Johannes Nickel
Fotos: Johannes Nickel
GW/10.12.2025
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