Landwirtschaft im Schwarzwald klimafit gestalten
Johannes Lorenz hat den Hof seiner Eltern in Achern übernommen. Jetzt will er neue Wege gehen. Denn die Landwirtschaft muss klimaangepasste Lösungen finden. Deshalb nimmt Johannes am Agroforst-Projekt des Naturparks Schwarzwald Mitte/Nord teil. Ein Hofbesuch.
Eine sanfte Windbrise weht den fruchtig-süßen Duft der reifen Äpfel und Birnen in die Nase von Johannes Lorenz. Der 44-Jährige geht durch die Spalier-Obstbaumreihen und füttert seine Hühner. Sie laufen frei zwischen den Bäumchen umher. So können sie sich vielseitiger und natürlich ernähren. Die Bäume bieten ihnen zudem Schatten vor der Sommersonne. Lavendel, Salbei, Thymnian und Bohnenkraut sowie Stockrose und Muskatellersalbei wachsen zwischen den Bäumen. Es brummt und summt. Ein Paradies für heimische Insekten und Vögel!
So kann ein Agroforst-System aussehen. „Agro“ steht dabei für Land- und „forst“ für Waldwirtschaft. Es beschreibt Acker- und Grünlandflächen, auf denen auch Sträucher und Bäume gepflanzt sind. Je nachdem wird es auch von Tieren genutzt. Darauf setzt Landwirt Johannes. Denn Agroforst ist ein guter Weg, um landwirtschaftliche Flächen klimafit zu machen.
Der Naturpark Schwarzwald Mitte/Nord unterstützt ihn dabei. „Es ist uns wichtig, dass wir auch in Zukunft noch viele Landwirtinnen und Landwirte im Naturpark haben, die unsere wunderschöne Kulturlandschaft erhalten. Ohne sie verlieren wir vielseitige und wertvolle Lebens- und Erholungsräume für Menschen, Pflanzen und Tiere!“, erläutert Niklas Kullik, der beim Naturpark Schwarzwald Mitte Nord für das Agroforst-Projekt zuständig ist.
Aus Liebe zu Land und Menschen: Heimische Produkte direkt vermarkten
Johannes Lorenz ist Landwirt im Nebenerwerb. Auf der Lorenz.Farm in Achern-Fautenbach im Ortenaukreis lebt seine Familie bereits seit mehreren Generationen. Johannes ist auf dem Hof aufgewachsen. Vor fünf Jahren hat er die Lorenz.Farm von seinen Eltern übernommen.
Sechs Hektar Fläche bewirtschaftet Johannes. Aus dem Obst presst er naturbelassene Säfte, teilweise trocknet er es auch und macht es länger haltbar. Außerdem bietet er selbstgemachte Marmeladen an. Aus den Blüten und Kräutern stellt Johannes hochwertige Ganzblatt-Teemischungen zusammen. Seine Freilandhühner sorgen für Eier. Daraus lässt Johannes auch Nudeln fertigen.
Alle Produkte vermarktet er direkt – auf Märkten in der Region und über einen kleinen Selbstbedienungsladen direkt auf dem Hof. „Ich will die Produkte vom Hof nicht anonym verkaufen. Die Gespräche mit den Menschen sind mir wichtig. Deshalb vermarkte ich ausschließlich direkt“, erklärt Johannes. In der Nachbarschaft hat er bereits Stammkunden. Bei den Produkten von der Lorenz.Farm wissen sie genau, wie sie hergestellt wurden und dass sie frisch und qualitativ hochwertig sind.
Herausforderung Klimawandel
Wenn Johannes von der Landwirtschaft erzählt, ist seine Leidenschaft für die Arbeit auf dem Acker spürbar. „Ich will das Land um unseren Hof herum so gestalten und nutzen, dass es für uns und für die Umwelt passt. Das ist für mich eine sinnstiftende Aufgabe“, sagt der Landwirt und blickt über seine Flächen am Fuße der Schwarzwälder Vorbergzone. „Da gehört viel Idealismus dazu. Und man braucht gute Partner!“
Es geht ihm nicht nur darum, die Familientradition fortzuführen. Johannes will Wertschöpfung in der Region schaffen, indem er eigene Produkte herstellt. Durch die Bewirtschaftung der Landschaft trägt er außerdem dazu bei, die für den Schwarzwald typische Kulturlandschaft zu erhalten. Das bedeutet viel Arbeit und es braucht innovative Ideen. Wer weiterhin Land bewirtschaften will, muss neue Wege ausprobieren. Denn die durch den Klimawandel häufiger auftretenden Extremwetterereignisse wie Starkregen oder Trockenperioden können große und nachhaltige Schäden verursachen.
Agroforst als ein möglicher Lösungsweg
Für Johannes kam da das Agroforst-Projekt des Naturparks Schwarzwald Mitte/Nord genau zur richtigen Zeit. Agroforst-Strukturen binden klimaschädlichen Kohlenstoff und tragen dazu bei, Wasser länger im Boden zu halten bzw. aufzunehmen. Durch die Vielzahl unterschiedlicher Gehölze auf dem Acker oder Grünland erhöhen Agroforst-Systeme die Biodiversität und sorgen für eine natürliche Vielfalt an Produkten. Während bei manchen Arten bereits geerntet werden konnte, wachsen andere gerade heran.
Johannes bewarb sich um die Teilnahme am Pilotprojekt und der Naturpark wählte ihn als einen von 17 Betrieben aus. „Es ist toll, dass der Naturpark uns unterstützt. So haben wir die Möglichkeit, Dinge wie Agroforst auszuprobieren“, sagt Johannes. Als Naturpark-Pilotbetrieb erhält die Lorenz.Farm eine kostenlose, betriebsspezifische Beratung durch Agroforst-Spezialisten und eine Anlagenförderung von bis zu 7.000 Euro. Zudem kann Johannes an vielseitigen Weiterbildungsangeboten wie Feldtagen auf Modellbetrieben teilnehmen und sich mit anderen Landwirten sowie Wissenschaftlern vernetzen.
Einsatz für klimafitte Landwirtschaft ist sinnstiftend
Dank der Kooperation des Naturparks mit dem bundesweit agierenden Bergwaldprojekt halfen im Mai 2025 rund 20 Freiwillige aus ganz Deutschland Johannes auf dem Hof dabei, die bereits teilweise als Agroforstsystem angelegten Walnuss- und Obstbäume zu pflegen. Für die Bergwaldprojekt-Teilnehmerin Jule Petzold war die Aktion ein großer Gewinn: „Ich möchte in meiner Freizeit etwas Sinnvolles und Sinnstiftendes machen: Der Natur etwas zurückgeben, aktiv das Klima schützen und mich für Biodiversität einsetzen. Mit der Arbeit auf dem Naturpark-Agroforstbetrieb kann ich genau das umsetzen.“
Gemeinsam für eine starke Region
Damit Landwirte wie Johannes weitermachen und ihre Höfe nicht aufgeben, sind auch Sie gefragt! Kaufen Sie Produkte aus Ihrer Region zu einem fairen Preis: beim nächsten landwirtschaftlichen Betrieb, im Hofladen, beim Selbstbedienungsstand an der Straße oder auf den Naturpark-Märkten. Einen Einblick in die Arbeit auf landwirtschaftlichen Betrieben gibt jährlich der Naturpark-Brunch auf dem Bauernhof. Oder besuchen Sie einen der rund 40 Naturpark-Wirte. Sie beziehen viele ihrer Produkte direkt von den Landwirten aus der Umgebung.
Text: Gundi Woll
Fotos: Johannes Nickel, Gundi Woll, Eduard Fischer
GW/19.01.2026
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